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Gepostet am 28. September 2020  | Katrin Frank

Fremdfickgelüste

Sexy Paper No. 2

Fremdfickgelüstig. Ich öffne seine SMS noch mal. Das komische Wort springt mich auch beim zweiten Lesen an und beim dritten und vierten.
Das ist Hansens Antwort auf die Frage, ob wir uns heute Nachmittag zum Vögeln treffen wollen. Fremdfickgelüstig sei er. Er wolle lieber auf eine Sexparty und da jemand abschleppen. Jemand Fremdes abschleppen, statt jemand Vertrautes zu ficken, mich in dem Fall. Obwohl, so vertraut sind wir nach ein paar Wochen jetzt auch nicht. Nicht so jedenfalls, dass es nichts mehr zu entdecken gäbe.
Fremdfick. Irgendwie kann ich‘s ja nachvollziehen, den Kick, von jemand Fremdes begehrt zu werden. Jemand, mit dem man vorher vielleicht grade mal zwei Sätze gewechselt hat. Ich begehre ihn ja bereits, dessen ist er sich anscheinend sehr sicher. So sicher, dass er lieber zur Sexparty ...
Hach, jetzt denk ich das schon wieder, während ich am Kanal langlaufe. Eigentlich denke ich schon meinen ganzen Spaziergang darüber nach. Dabei wollte ich mich erstens entspannen und zweitens ihn treffen. Und drittens mag ich es nicht, eifersüchtig zu sein. Obwohl, bin ich es denn?
Ich hab mal gelesen, dass Eifersucht immer ein ungestilltes Bedürfnis zugrunde liegt, ein unerfüllter Wunsch, etwas, das man selber gern hätte. Klar, ich hätte ihn heute gern getroffen, weil ich sonst keine Pläne für den Nachmittag gemacht hab. Mich etwas verloren fühle vor dem Wochenende und der vielen freien Zeit. Grad nichts mit mir anzufangen weiß. Das ist es! Ich bin gar nicht eifersüchtig, dass er auf der Sexparty seine Fremdfickgelüste ausleben will. Ich wollte einen Plan haben für heute Nachmittag und jetzt hab ich keinen mehr.
Schon laufe ich entspannter um den Kanal, nicht mehr gehetzt von eifersüchtigen Gedanken. Außerdem glaub ich kaum, dass er bei der Party so nen großen Schwanz wie meinen finden wird. Ich lache laut auf und schaue mich schnell um, ob es jemand gehört hat.
Da fällt er mir wieder ein: dick, rot und ellenlang, der Pferdeschwanz, den ich mal für eine Ex-Freundin gekauft hab. Sie hatte ihn so getauft und nach der Trennung bei mir gelassen, ein Scheidungskind.
Beschwingt eile ich nach Hause. Er liegt ganz unten in meiner Toybox, in knisterndes Zellophanpapier gehüllt. Beim Rausnehmen verströmt er gleich wieder seinen chemischen Kunststoffgeruch, ein Fehlkauf auf ganzer Linie.
Ich wollte meine Freundin spontan überraschen und konnte nicht abwarten, bis ein qualitativ hochwertiger Schwanz aus dem Internet eingetroffen wäre. Also ab zum Ostbahnhof, zu Beate Uhse.
Am Ende der Regale mit Pornos und Miederwaren sah ich sie schon: Schwänze in allen Farben und Ausführungen. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die meisten jedoch als minderwertig, aus chemisch riechendem Material und viel zu hart. Überhaupt waren für meine Zwecke nur zwei Exemplare geeignet.
Ein schwarzer, normal großer Dildo, und der rote Pferdeschwanz, den ich nach einmal Anhalten eher schwierig zum Ficken fand. Damit müsste ich ständig aufpassen und könnte nicht einfach mal losrammeln und ihn bis zum Anschlag versenken. Hm. Welchen sollte ich nun nehmen? Beide kosteten neunzehn neunundneunzig, Beate Uhse eben. Der schwarze war eigentlich mein Favorit gewesen rein von der Praxis her, aber dann erlag ich der Logik kapitalistischen Konsumdenkens: Wenn ich mehr haben kann für mein Geld, warum sollte ich mich mit weniger zufriedengeben?

***

Grinsend drückte ich den Pferdeschwanz jetzt in meinem Flur durch den Ring meines Harness, zog die Riemen so fest, dass sie mir in die Arschbacken schnitten, und verstaute das Ding in meiner Hose. Gar nicht so einfach. Wenn ich ihn nach rechts oben legte, wie ich meine Schwänze meistens trug, schaute der Pferdepimmel aus dem Hosenbund wie eine Raupe aus dem Apfel.
Also musste er beinverlegt werden. Nach rechts unten. Jetzt wurde ich bei jedem Schritt an seine Existenz erinnert. Aber ich trug ihn ja nur in meiner Bude.
Hansen hatte noch mal geschrieben. Er habe mir am Vorabend auf einer Lesung ein von mir lang ersehntes Buch besorgt und zwanzig Euro dafür bezahlt. Ob er es mir eben vorbeibringen könne, er brauche das Geld für den Eintritt zur Sexparty. Klar, solle er mal bringen, schrieb ich zurück und strich mir lächelnd übers Bein.

***

Schon wie Hansen vornübergebeugt in seinem Rucksack nach dem Buch kramt, obwohl ich sehe, dass es direkt obenauf liegt, treibt mir ein Grinsen ins Gesicht. Wie er den Arsch rausstreckt, geschäftig rumwurschtelt, Hauptsache, er kann noch ein bisschen länger in der Position bleiben. Fickgelüstig. Ohne fremd. Aber ich lasse mich nicht provozieren.
Endlich zieht er das Buch hervor und legt es auf meinen Flurschrank.
„Danke“, sage ich. Im nächsten Moment packe ich ihn beim Kragen seines Mantels. Schick gemacht hat er sich für die Sexparty, mit Krawatte und Hemd, drüber der elegante Mantel, der ihn mit seinem rasierten Schädel wie einen Zuhälter aussehen lässt.
Ich reiße ihn beim Kragen seines Mantels an mich ran. So nah, dass er die Beule in meinen Jeans fühlen kann. Wobei heute eher Rohr als Beule, knieverlegtes Rohr.
„Na, glaubst du, dass du heut nen größeren Schwanz als meinen finden wirst?“, raune ich und drücke ihm meine Ausstattung in den Schritt.
Er stöhnt auf.
„Das glaub ich kaum!“, beantworte ich die Frage selbst.
Rhythmisch fängt er an, sich an mir zu reiben, als wolle er den Pferdeschwanz noch größer werden lassen. Dabei ist das gar nicht nötig.
„Ich kann ja später noch mal wiederkommen, wenn es bei der Sexparty nichts gibt.“ Er hat sich schnell wieder gefangen. Grinst sein schiefes Grinsen, bei dem er von innen die Zunge gegen die Wange drückt.
Der hat sie ja wohl nicht mehr alle! „Glaubste, ich lass dich noch rein, wenn dich jemand mit seinen schmutzigen Fingern angepackt hat?“
„Denk schon“, gibt er selbstbewusst zur Antwort.
Ich lache empört auf. „In die Sprechanlage lass ich dich winseln ..!“
Das gefällt ihm. Er geht vor mir in die Knie. Versucht, sich den Schwanz durch meine Hose in den Mund zu stecken.
Den Gefallen ihn rauszuholen, tu ich ihm nicht. Wenn er blasen will, soll er sich mal schön mit mir verabreden. Aber er ist ja fremdfickgelüstig, dann gibt’s auch keinen Pferdeschwanz.
Er müht sich ab an dem Teil und macht so hammergeile Bewegungen mit den Lippen, dass meine Knie weich werden. Ich bin schon kurz davor alles fahren zu lassen, aber so haben wir nicht gewettet.
„Vielleicht passt er ja auch gar nicht in deinen Mund, hm?“, flöte ich. „Müssen wir mal nachschau’n.“ Ich spreize seinen Kiefer mit beiden Händen, zwinge ihm das Maul auf.
Wie er keuchend zu mir raufstarrt, süß! Ich verkneife mir ein Lächeln. Beuge mich über ihn und blicke tief in seinen Rachen, als wolle ich jeden Winkel inspizieren.
„Der passt da nicht rein!“, befinde ich, seinen Ober- und Unterkiefer wie eine Spreizklammer auseinanderhaltend. Ich lecke mir die Lippen.
Er zuckt zurück, aber kommt nicht weit mit seinem Kopf.
Jetzt hatte er Angst, ich spucke ihm in den Mund. Das mag er nicht. Ich dafür umso mehr. Aber bei ihm mach ich es nicht, spiele nur manchmal damit. Und er denkt echt jedes Mal wieder, ich tu’s. Dabei sollte er eigentlich wissen, dass ich einmal genannte Grenzen strikt einhalte. Alles andere wäre auch lächerlich.
Sanft schließe ich seinen Mund und drücke sein Gesicht gegen mein Bein.
Er sperrt gleich von selbst wieder auf, heftig atmend, als er meinen Pferdeschwanz mit den Lippen einmal komplett abfährt.
„So, das reicht!“ Ich ziehe ihn auf die Beine.
Seine Augen flackern vor Geilheit.
Da fällt mir was ein. „Ach hier, dein Geld.“ Ich ziehe einen zerkrumpelten Zwanzig-Euro-Schein aus der Hosentasche und stopfe ihm den in den Ausschnitt seines Hemds.
Hansen sieht mich fassungslos an. Dann schnappt er seinen Rucksack und wischt zur Tür raus.
Als er weg ist, halte ich mir den Bauch vor Lachen. Damit hatte er nicht gerechnet. Ich tätschele den Pferdeschwanz. Größer wird es heute garantiert nicht für ihn werden, soll er mal schön suchen bei der Sexparty.

 


Das war Sexy Paper No. 2. Sexy Papers sind Einsendungen von queeren Autor*innen, die unserem *Call for Sexy Papers* im Juli/August 2020 gefolgt sind und uns ihre literarisch-queeren Sexszenen geschickt haben. Ganz gleich, ob pornografisch, realistisch, symbolistisch, surreal oder einfach nur poetisch – diese Texte brechen mit einem immer noch hartnäckigen Tabu.



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